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Italiener suchen in den Wäldern Osttirols nach Steinpilzen (Foto: AFP)
Schlusslicht: "Schwammerl-Krieg" in Osttirol
Schlusslicht

Die italienische Pilzmafia plündert Osttirols Wälder

Die Italiener sind los: In Scharen rascheln sie durch das Unterholz Osttirols. Immer auf der Suche nach köstlichen Schwammerln - in Deutschland Steinpilze genannt. Die österreichische Bergwacht warnt bereits vor leeren Wäldern. Und nun hat der "Schwammerl-Krieg" sogar den Gesetzgeber auf den Plan gerufen.

Von Andreas Meyer-Feist, ARD-Hörfunkstudio Wien

Schwammerlsucher pflückt einen Steinpilz im Waldstück in Salzburg (Foto: AP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Sicherer Griff zum leckeren Pilz: Italienische Sammler plündern Osttirols Wälder. ]
Sie kommen in Scharen, parken die Waldwege zu und stemmen schlussendlich gewaltige Körbe in ihre Kombis. Körbe gefüllt mit köstlichen Steinpilzen in rauhen Mengen. Auf ihrem Feldzug kriechen sie in Gruppen durch das Unterholz, erst wird die beste Stelle eingekreist und dann restlos abgeräumt.

Die Mitarbeiter der Osttiroler Bergwacht haben die systematische Sammelwut im Blick, unternehmen können sie allerdings nichts: "Manche kommen mit Funksprechgeräten, um die besten Sammelplätze auszutauschen", berichtet ein Beamter fassungslos.

Mit dem Walkie-Talkie werden die Helfer gerufen

Kein Waldfrieden mehr in Osttirol - dafür herrscht "Pilz-Krieg". Der Kampf um das größte und saftigste Exemplar auf den dampfenden Waldböden ist in vollem Gange. Wer eine gute Stelle findet, ruft Helfer über Walkie-Talkie herbei. "Pilze gehören ganz einfach zur italienischen Küche", sagt eine füllige Italienerin in Kittelschürze und zeigt stolz ihre Beute: Zwei Kilo beste Qualität aus Österreich. Und alles kostenlos. Es sind fast nur Italiener, die in Osttirol Pilze sammeln.

Keine Kosten - aber auch keine Pilze mehr im Wald, wenn das so weitergeht, fürchtet die Bergwacht in Osttirol. Eigentlich sollen sie verirrte Bergsteiger retten, jetzt aber geht es ins Unterholz - zum Pilze-Retten. Früher haben sie in Kärnten gesammelt, dort gibt es inzwischen allerdings strenge Vorschriften, berichtet einer der Bergwächter und stellt nüchtern fest: "Und jetzt sind sie bei uns."

Audio: Pilzraub in Osttirol: Konfuse Rechtslage für Sammler

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AudioAndreas Meyer-Feist, ARD-Hörfunkstudio Wien
 21.08.2008 21:58 | 2'59
Download Download des Audios: mp3-Format, Ogg Vorbis-Format

"Pilzmaut" gegen italienische Sammelleidenschaft

In Osttirol darf praktisch jeder im Wald machen was er will. In Kärnten schreckt die "Pilzmaut" ab: 45 Euro verlangen Waldbesitzer für eine juristisch umstrittene Sammellizenz, auch "Schwammerl-Pickerl" oder "Klaub-Schein" genannt. Seit der Einführung herrscht wieder Ruhe im Wald. Hundert Pilz-Pickerl wurden schon verkauft, wem das zu teuer ist, geht nach Osttirol.

Sammler greift nach einem Pilz (Foto: AFP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: In Kärnten stoppte eine "Pilzmaut" die Sammler - aber auch strengere Gesetze werden diskutiert. ]

Es sind vor allem Italiener, die in Österreich Pilze sammeln, denn auch in ihrer Heimat wird Pilzmaut verlangt. Wenn auch nur acht Euro. Viele nehmen zur Vermeidung die Fahrt über die Grenze nach Österreich in Kauf. Autos mit italienischen Nummerschildern blockieren die Waldwege, klagen Waldbesitzer. Übrig blieben nur zertrampelte Waldböden und verstörte Tiere. Die Sammelwut ist zum Politikum geworden. Die Pilzmafia sei Schuld an den Schäden, heißt es auf der einen Seite.

Gesetze gegen die "Pilzmafia" gefordert

Darum wird über einen "Pilzwachdienst" diskutiert. Bei Verstoß droht eine Anzeige wegen Besitzstörung und eine Strafe von 350 Euro. Doch die Rechtslage um den Pilz ist konfus, was die Arbeit der "Pilzmafia" erleichtert. Paragraph 33 des österreischen Forstgesetzes erlaubt jedem Erholungssuchenden, den Wald "frei" zu betreten. Pilze sammeln sei Erholung und damit ein uraltes Gewohnheitrecht, ja sogar verfassungsmäßiges Grundrecht, behauptet das Kuratorium Wald, das Sprachrohr der Pilzsammler.

Zumal es schon heute eine Sammelobergrenze gibt: Zwei Kilo pro Tag und Person. Dies ist allerdings schwer zu überprüfen, weil die Polizei für Pilzraub niemals einen richterlichen Durchsuchungsbefehl bekommen würde.

Kompromiss im "Schwammerl-Krieg"?

Der "Pilz-Krieg" hat schon die hohe Politik erreicht. Doch die Bundesländer sind sich uneinig, was in einem Gesetz stehen soll. Viele Gastronomen wollen sowieso eine liberale Lösung: Denn wo die Wälder leergeräumt werden, sind Hotels und Gasthäuser voll. Wo "Pilz-Pickerl" abschrecken, sind sie leer. Sammelverbote gefährden nach Ansicht der Gastronomen den Tourismus.

Im Gespräch ist nun ein Kompromiss: ein Erlaubnisschein für Pilzsammler für zwei Euro pro Tag. Sammeln nur zwischen 8.00 und 16.00 Uhr. Wann sich das Parlament mit dieser komplizierten Rechtslage beschäftigt, ist noch unklar - zum Ärger der Waldbesitzer. Bis dahin geht der "Schwammerl-Krieg" in Österreich weiter.

Stand: 21.08.2008 21:36 Uhr

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